Die Organisationsstruktur des KWIE

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Gliederung

Die Organisationsstruktur des KWIE änderte sich nach 1933 kaum. Das KWIE gliederte sich sowohl davor als auch danach in die Abteilungen. Zwar wurden Abteilungen zusammengelegt und andere neugegründet, doch waren diese Veränderungen nicht unmittelbare Folgen der „Machtübernahme“ durch die Nationalsozialisten. Sie richteten sich vielmehr nach den Aufgaben des Instituts, die vor allem durch eine stärkere Einbindung in die Vorbereitung der Wirtschaft auf den Krieg geprägt war.

Es gab am KWIE die Abteilungen für Metallurgie, Chemie, Physik, Technologie, mechanische Prüfung (zeitweilig auch als Mechanisch-Technologische Abteilung zusammengefasst) und Metallographie sowie die Stelle für Thomasschlacke. Alle Abteilungen unterstanden einem Abteilungsvorsteher, wobei einige Vorsteher auch mehrere Abteilungen leiteten. So trug etwa Anton Pomp die Verantwortung für die mechanische, technologische, und metallographische Abteilung. 1942 wurden anlässlich des 25-jährigen Bestehens des KWIE alle Abteilungsvorsteher zu Abteilungsdirektoren ernannt, ohne dass sich etwas an ihrer Rolle – oder ihren Bezügen – geändert hätte.[1] Ihnen standen Laboratoriumsleiter und technische Assistenten zur Seite. Zusätzlich beschäftigten die Abteilungen Doktoranden, technische Hilfskräfte sowie Praktikanten.[2] Zu den Abteilungen kamen eine mechanische Werkstatt und die Verwaltung hinzu.

Auch die Finanzierung des KWIE änderte sich nach der „Machtübernahme“ der Nationalsozialisten nur unwesentlich. Der Großteil der Finanzierung erfolgte über den Verein Deutscher Eisenhüttenleute (VDEh), der die Kosten des Instituts wiederum auf seine Mitgliedsunternehmen umlegte; darunter auch eine Reihe von Stahlunternehmen in Düsseldorf. Daher orientierte man sich in der Forschung vor allem an den Interessen und Arbeitsschwerpunkten des Vereins. Ab Mitte der 1930er-Jahre wurden dann Forschungsprojekte des Militärs und der Rüstungsindustrie immer wichtiger. Darüber hinaus erhielt das Institut Mittel von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG). Zusätzliche Einnahmen generierte das Institut beispielsweise durch Rechnungen für Forschungsaufträge von Unternehmen und – über die Gesellschaft für Eisenforschung GmbH – aus Patenteinnahmen.

In der Forschungstätigkeit war das KWIE zwar formal unabhängig, sollte aber zugleich praktische Fragen der Industrie berücksichtigen. Daher orientierte man sich in der Forschung vor allem an den Interessen und Arbeitsschwerpunkten des Vereins Deutscher Eisenhüttenleute (VDEh). Unter anderem bildeten Autarkiebestrebungen einen wichtigen Fokus. Ziel war es, Probleme der Rohstoff- und Devisenknappheit, die auch Metalle und Erze betraf, zu überwinden.[3]

Das Institut erhielt vor 1933 den größten Teil seiner Finanzmittel vom VDEh, von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG) und aus Fördergeldern von der Notgemeinschaft. Daneben erhielt es auch erhebliche Summen aus den schwarzen Kassen des Militärs, für das es illegale Forschungen durchführte. Seit 1926 erhielt das KWIE über 90.000 Reichsmark. Als es 1929 zu Finanzierungsengpässen seitens der Reichswehr kam, stellten das KWIE und andere Institute ihre Arbeit zum Teil kostenlos zur Verfügung.[4]

Institutsleitung

Ebenso wie die Organisationsstruktur und Gliederungen des Instituts gab es 1933 auch – zumindest auf der Leitungsebene keine – beim Personal keinen großen Umbruch. Direktor Friedrich Körber, der das Institut bereits Anfang der 1920er-Jahre leitete, behielt seine Position bis zum Tod 1944. Danach folgte ihm Franz Wever, der zuvor ebenso lange Abteilungsvorsteher der Physikalischen Abteilung gewesen war. Ähnliche Beobachtungen können auch für die Leitung des wissenschaftlichen Bereichs bzw. der wissenschaftlichen Abteilungen gemacht werden. Die führenden Wissenschaftler der 1920er-Jahre blieben nach 1933 am KWIE tätig. Kein Abteilungsleiter wurde abgesetzt, in seiner Stellung degradiert oder verließ das Institut.

Im Unterschied zu den Universitäten erfolgte am KWIE – wie auch in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG) insgesamt – nach der NS-„Machtübernahme“ kein Umbau der Leitungs- und Verwaltungsstrukturen nach dem Führerprinzip.[5] Die Implementierung des Führerprinzips innerhalb der Institute erübrigte sich insofern, als in der KWG und ihren Einzelinstituten über das sogenannte „Harnack-Prinzip“ ohnehin eine zentralistische, auf die Entscheidungsgewalt der jeweiligen Direktoren ausgerichtete Struktur existierte. Hinzu kam, dass sich die KWG und ihre verschiedenen Institute durchaus bereitwillig den nationalsozialistischen Zielsetzungen anpassten.[6] Direktor Körber wurde lediglich auf betrieblicher Ebene durch die nationalsozialistische Neuordnung des Arbeitsrechts Mitte 1934 zum DAF-„Betriebsführer“ ernannt.

Organisationsstruktur nach 1945

Die Organisationstruktur des KWIE wurde erst in der Nachkriegszeit geändert. So bildete die Überführung der KWG in die MPG im Jahr 1948 einen wichtigen Einschnitt in der Nachkriegsgeschichte auch des Eisenforschungsinstituts. Ab Herbst 1948 führte es den Namen Max-Planck-Institut für Eisenforschung.[7] Im Februar 1949 erhielt das MPIE eine neue Satzung. Neben der Namensänderung beinhaltete diese unter anderem die Regelung, dass das Institut nun zur Hälfte aus öffentlichen Mitteln finanziert werden sollte. Der Einfluss der MPG innerhalb des Instituts wurde damit vergrößert.[8]

Der organisatorische Aufbau des Instituts hatte sich nach dem Krieg jedoch wenig geändert, lediglich die Erzabteilung wurde aufgelöst. Die neue Satzung beließ das Institut in seiner bisherigen Form.[9] Auch an der Spitze des Instituts ergab sich mit der Überführung in die MPG keine Änderung: Franz Wever blieb Direktor – noch für zehn weitere Jahre. Größere Änderungen gab es jedoch auf der Ebene des übergeordneten Lenkungsgremiums. Das alte Kuratorium bestand nach dem Krieg nicht mehr. In der unmittelbaren Nachkriegszeit hätten darüber hinaus – so ein späterer Bericht – „die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse eine sofortige Wiederbesetzung des Kuratoriums unmöglich“ gemacht. Als Übergangslösung wurde im Herbst 1946 ein Beratender Ausschuss eingesetzt, um die Funktion des Kuratoriums teilweise zu übernehmen bzw. „um dem Direktor den nötigen Rückhalt bei den wichtigen Verhandlungen über die Weiterführung des Instituts, die Rückverlagerung aus Clausthal und den Wiederaufbau in Düsseldorf zu geben.“[10]

Einzelnachweise

zum ausführlichen Quellen- und Literaturverzeichnis

  1. VDEh, Ac 207, Band 1, Niederschrift über die Kuratoriumssitzung, 20.06.1942.
  2. Vgl. Gliederung des Instituts (Mitteilungen aus dem KWIE XXV), S. 21 f.
  3. Flachowsky: Wagenburg, S. 681 f.; Marsch: Zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, S. 350, S. 369.
  4. BArch (Berlin), R 26 III/693a, Aufstellung der KWG-Generalverwaltung an Körber, 14.12.1933, zit. n. Flachowsky: Alle Arbeit, S. 168.
  5. Hachtmann: Wissenschaftsmanagement Bd. 1, S. 657-660.
  6. Hachtmann: Wissenschaftsmanagement Bd. 1, S. 649-655; Ash: Ressourcenaustausche, S. 318 f.
  7. AMPG, Abt. II, Rep. 1 A, Nr. 18/7-4-9, 1. SP MPG v. 26.02.1948; Henning/Kazemi: Handbuch Bd. 1, S. 407. Siehe auch: AMPG, Abt. II, Rep. 1 A, IB-Akten, MPIE, Kuratorium Bd. 1 (1945-31.12.1959); Flachowsky: Wagenburg, S. 694.
  8. VDEh, Ac 207, Band II, Kuratoriumssitzung, 09.02.1949; Henning/Kazemi: Handbuch Bd. 1, S. 407.
  9. MPIE: 10 Jahre Eisenforschung, S. 10.
  10. VDEh, Ac 207, Band II, Kuratoriumssitzung, 09.02.1949.