Das KWIE in der Weimarer Republik

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Seit Dezember 1920 war das KWIE in einer Werkstatthalle der Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik untergebracht.
Friedrich Körber übernahm die Institutsleitung, nachdem Fritz Wüst Ende 1922 in den Ruhestand gegangen war.

Beginn in Aachen und Verlegung nach Düsseldorf

1918 erhielt das Institut zunächst Räumlichkeiten an Fritz Wüsts Eisenhüttenmännischem Institut der Technischen Hochschule (TH) Aachen. Dort wurde die Arbeit unter der Leitung von Wüst mit einem wissenschaftlichen und einem technischen Mitarbeiter aufgenommen. Seit Dezember 1920 war das KWIE dann in einer Werkstatthalle der Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik in Düsseldorf, der späteren Rheinmetall AG, untergebracht.[1] Diese Arbeitsstätte war ebenfalls als Provisorium entworfen. Hier betrieb das Institut seine Forschungstätigkeit mit anfangs 14 festvertraglichen Mitarbeitern, darunter sechs Wissenschaftler. Zum Zeitpunkt der offiziellen Eröffnungsfeier am 26. November 1921 waren es dann bereits 49 Institutsangehörige, 13 von ihnen Wissenschaftler.[2] Auch eine wachsende Zahl externer Forscher arbeitete am KWIE zu unterschiedlichen Themen. Im Jahr 1921 waren die ersten beiden Doktoranden am Institut tätig.[3]

Erste Planungen für ein eigenes Institutsgebäude

Pläne des VDEh und der Stadt Düsseldorf über den Bau eines eigenen Institutsgebäudes wurden wegen der allgemein schlechten Finanzlage bis auf weiteres nicht umgesetzt. Die Stadt Düsseldorf sollte dazu ein geeignetes Gelände und auch einen Bauzuschuss zur Verfügung stellen, wie es in einem Vertragsentwurf von 1919 zwischen dem VDEh und der Stadt Düsseldorf hieß. Schließlich wurde am 27. April 1920 ein Vertrag zwischen dem VDEh und der Stadt Düsseldorf abgeschlossen. Im Hinblick auf den Bau des Institutsgebäudes verpflichtete sich die Stadt, neben dem Baugelände auch zehn Jahre lang einen Betriebskostenzuschuss in Höhe von 70.000 Mark jährlich bereitzustellen.[4]

Aufgaben des Instituts

Die zentrale Aufgabe des KWIE war die Grundlagenforschung in sämtlichen Bereichen des Eisenhüttenwesens: von der Untersuchung des Eisenerzes über die Verfahren zur Produktion und Verarbeitung von Eisen und Stahl bis hin zu den Zwischen- und Fertigerzeugnissen.[5] Das Institut gliederte sich in Abteilungen für Metallurgie, Chemie, Physik, mechanische Prüfung und Metallographie, dazu kamen eine mechanische Werkstatt und die Verwaltung. In der Forschungstätigkeit war das KWIE formal unabhängig, sollte aber zugleich praktische Fragen der Industrie berücksichtigen. Daher orientierte man sich in der Forschung auch an den Interessen und Arbeitsschwerpunkten des VDEh. Unter anderem bildeten Autarkiebestrebungen einen wichtigen Fokus. Ziel war es, Probleme der Rohstoff- und Devisenknappheit zu überwinden.[6]

Vor dem Hintergrund, dass die deutsche Stahlindustrie nach der Kriegsniederlage und mit den Regelungen des Versailler Vertrags die hochwertigen Erzlagerstätten in Lothringen, Luxemburg und Oberschlesien eingebüßt hatte, war 1919 im VDEh ein eigener Erzausschuss begründet worden. In Auftrag jenes Erzausschusses nahm das KWIE 1920 Forschungen zur Anreicherung der „armen deutschen Eisenerze“ auf, und dem Institut wurde im Jahr 1920 eine spezielle Erzaufbereitungsabteilung angegliedert.[7]

Das KWIE war in den zwanziger Jahren in verschiedene Kooperationen eingebunden, die auf die Autarkie und „Wiederwehrhaftmachung“ des Deutschen Reiches abzielten. Wie einige andere Kaiser-Wilhelm-Institute (KWI) war auch das KWIE ab 1926 an illegalen Rüstungsforschungen im Auftrag der Reichswehr beteiligt.[8] Die KWG nahm die Zusammenarbeit damals bereitwillig und nicht ohne Eigeninitiative auf, was die insgesamt konservativ, national und revisionistisch geprägte Mentalität innerhalb der Institution reflektierte.[9]

Friedrich Körber übernimmt die Institutsleitung

Ende 1922 trat Wüst in den Ruhestand. Ursächlich waren Differenzen mit dem VDEh, vor allem wegen strittiger Fragen bei der Patentverwertung.[10] Daher übernahm sein bisheriger Stellvertreter Friedrich Körber Anfang 1923 die Institutsleitung. In den folgenden Jahren avancierte das KWIE zum Institut mit der besten Personal- und Finanzausstattung innerhalb der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG).[11] Im Oktober 1928 beschloss der VDEh einen Neubau des Instituts, der jedoch aufgrund der Weltwirtschaftskrise in der zweiten Jahreshälfte 1930 zunächst nicht realisiert wurde.[12] Bis auf weiteres verblieb das Institut im Provisorium bei der Rheinmetall AG. Im Jahr 1931 beschäftigte das KWIE bereits 100 Mitarbeiter.[13] Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten auf dem Rheinmetall-Gelände waren der weiteren Expansion jedoch Grenzen gesetzt.[14]

Einzelnachweise

zum ausführlichen Quellen- und Literaturverzeichnis

  1. Vgl. Flachowsky: Alle Arbeit, S. 160; Dönges: Geschichte, S. 9 f.
  2. Dönges: Geschichte, S. 10. Siehe auch: Marsch: Zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, S. 351-357.
  3. Dönges: Geschichte, S. 24; Rose/Grandmontagne: Zeittafeln, S. 17.
  4. Stadtarchiv Düsseldorf, 0-1-4-34559.0000, Hauptvertrag zwischen der Stadt Düsseldorf und dem Verein Deutscher Eisenhüttenleute vom 27. April 1920; Flachowsky: Alle Arbeit, S. 160.
  5. Dönges: Geschichte, S. 31; Flachowsky: Das MPIE, S. 129.
  6. Flachowsky: Wagenburg, S. 681 f.; Marsch: Zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, S. 350, S. 369.
  7. Dönges: Geschichte, S. 11; Flachowsky: Wagenburg, S. 679 f.
  8. Flachowsky: Alle Arbeit, S. 163 f. Vgl. auch: Maier: Forschung als Waffe Bd. 1, S. 255-257, S. 266-283, S. 544-547; Schmaltz: Kampfstoff-Forschung im Nationalsozialismus; Hachtmann: Wissenschaftsmanagement Bd. 1, S. 113-116; Hachtmann: Wissenschaftslandschaft zwischen 1930 und 1949, S. 194 f.
  9. Hachtmann: Wissenschaftsmanagement Bd. 1, S. 113-116 u. Flachowsky: Wagenburg, S. 681 f. Siehe auch: Maier: Forschung als Waffe Bd. 1, S. 266-270.
  10. Rasch: Auf dem Weg zum Diensterfinder, S. 228-230.
  11. Flachowsky: Alle Arbeit, S. 160 f.; Marsch: Zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, S. 253.
  12. Marsch: Zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, S. 253; Flachowsky: Wagenburg, S. 679 f.
  13. Marsch: Zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, S. 352.
  14. Dönges: Geschichte, S. 14.