Werner Lueg

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Werner Lueg war 1946 in England interniert und konnte daher nicht zur gleichen Zeit wie die anderen Wissenschaftler von den alliierten Wissenschaftsmissionen befragt werden. Daher wurde seine Befragung in einem eigenen Bericht, dem BIOS Report 1177 „Research on the Mechanical Working of Metals. Interrogation of Dr. Ing. Werner Lueg of the Kaiser-Wilhelm-Institut, Düsseldorf“, festegehalten.

Werdegang

Heinrich Werner Lueg wurde am 26. Juli 1905 in Düsseldorf geboren. Sein Großvater war der Düsseldorfer Industrielle und Stadtverordnete Heinrich Lueg. Nach dem Abitur im Jahr 1924 begann Lueg ein Studium an der Technischen Hochschule München. Nach der Diplom-Vorprüfung im Sommer 1927 wechselte er an die Technische Hochschule Stuttgart, wo er im Februar 1930 den Abschluss zum Diplom-Ingenieur erwarb. Daraufhin promovierte Lueg bis Ende 1932 an der Technischen Hochschule Stuttgart.[1]

Tätigkeit beim KWIE

Im Rahmen seines Promotionsstudiums war Lueg seit April 1931 für das KWIE zur Zeit der Weimarer Republik als Volontärassistent der Mechanischen Abteilung tätig.[2] Seit dem Jahr 1938 war er Leiter des technischen Laboratoriums. 1942 wurde Lueg zum stellvertretenden Abteilungsvorsteher der Mechanisch-Technologischen Abteilung ernannt.[3]

Mitgliedschaft in NS-Organisationen

Lueg war seit März 1934 Mitglied des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK), wo er seit November 1941 den Rang eines Sturmführers innehatte. Weitergin gehörte er seit 1937 der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) an. Mitgliedschaften bestanden außerdem in der DAF, dem Nationalsozialistischen Bund Deutscher Technik (NSBDT) und im Reichsluftschutzbund. Nach Lockerung der Aufnahmesperre trat Lueg mit Wirkung zum 1. Mai 1937 der NSDAP bei.[4]

„UK-Stellung“ während des Kriegs

Während des Zweiten Weltkriegs war Lueg für das KWIE „uk“ (unabkömmlich) gestellt worden. Für seinen Luftkriegseinsatz als Angehöriger des Reichsluftschutzbunds wurde er im Herbst 1943 mit dem Kriegsverdienstkreuz II. Klasse ausgezeichnet.[5]

Das Versuchswalzwerk des Polytechnikums Warschau

Im Zuge der deutschen Besetzung Polens eignete sich das KWIE ein Versuchswalzwerk des Polytechnikums Warschau an. Im Februar des Jahres 1941 kam es schließlich zur Abwicklung dieses Vorgangs. Zu diesem Zweck reiste Lueg von der Technologischen Abteilung des KWIE vom 12. bis 17. Februar nach Warschau.[6] Durch den Besuch Luegs in Warschau erlangte das Institut umfangreiche Kenntnisse über die Ausstattung des Maschinenparks des Polytechnikums Warschau. Diese wurden dementsprechend genutzt. Neben dem Versuchswalzwerk erhielt das KWIE schließlich weitere Ausstattungen und Beutegut für die Rüstungsforschung aus den Beständen des metallurgischen und metallkundlichen Instituts des Polytechnikums Warschau.

Leitung des Düsseldorfer Rest-Instituts nach der Verlagerung

Aufgrund weiterer Luftangriffe auf Düsseldorf Anfang November 1944 wurden weitere Teile des KWIE nach Clausthal verlagert. In Düsseldorf sollte nur noch das Mechanisch-Technologische Labor mit der Hälfte der Dauerstandanlage unter der Leitung von Werner Lueg mit 14 Mitarbeitern verbleiben.[7] Diese sollten vordringliche Sicherungsarbeiten, wie das Abdichten von Dächern oder den Ausbau einer behelfsmäßigen Drehstromversorgung, ausführen und das Gebäude vor dem Eindringen Unbefugter schützen. Die wissenschaftliche Arbeit wurde in Düsseldorf bis Kriegsende nicht wieder aufgenommen.[8]

Befragung durch die Alliierten nach dem Krieg

Lueg war in seiner Funktion als stellvertretender Abteilungsleiter der Mechanisch-Technologischen Abteilung des KWIE zunächst am Institutsstandort Düsseldorf im Zuge der alliierten Wissenschaftsmissionen zur Forschung des Instituts befragt worden.[9] Von Juli bis September 1946 hielt Lueg sich auf Anweisung der Alliierten dann in England auf. Er wurde damals im Rahmen der BIOS-Mission dorthin gebracht und weiteren Befragungen unterzogen.[10] Das Verhältnis zu den Befragern war offenbar kooperativ und kollegial. Nach seiner Rückkehr nach Düsseldorf hielt Lueg weiterhin engen Kontakt zu verschiedenen Wissenschaftlern aus dem BIOS-Team.[11] Er blieb in seiner Stellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim KWIE und leitete bis zur Rückverlagerung des Instituts die Geschäfte in Düsseldorf.[12]

Entnazifizierung

In seinem Entnazifizierungsverfahren am KWIE wurde Lueg Mitte 1947 in Düsseldorf in die Kategorie IV als „Mitläufer“ eingestuft und konnte seine Stellung behalten.[13] Von Seiten des KWIE-Betriebsrats war versichert worden, dass sich Lueg „innerhalb des Betriebes in keiner Weise aktiv im Sinne der NSDAP betätigt, sondern sich ausschliesslich seinen wissenschaftlichen Aufgaben gewidmet“ habe.[14] Werner Lueg verstarb am 27. Dezember 1960.[15]

Einzelnachweise

  1. LAV NRW, NW 1002-C-61779, Entnazifizierungsakte Werner Lueg, Fragebogen des Military Government, 14.04.1948.
  2. MPIE, 8-2-01-2, Bericht über das Geschäftsjahr 1931.
  3. Körber, Friedrich (Hrsg.): Mitteilungen aus dem Kaiser-Wilhelm-Institut für Eisenforschung, XXV. Band (1942), S. 22; BArch (Berlin), R 26 III/109, Bericht über das Arbeitsjahr 1942.
  4. LAV NRW, NW 1002-C-61779, Entnazifizierungsakte Werner Lueg, Fragebogen des Military Government, 14.04.1948.
  5. LAV NRW, NW 1002-C-61779, Entnazifizierungsakte Werner Lueg, Fragebogen des Military Government, 14.04.1948.
  6. LAV NRW, NW 1002-C-61779, Entnazifizierungsakte Werner Lueg, Fragebogen des Military Government, 14.04.1948.
  7. VDEh, Ac 207, Band II, Bericht über den Wiederaufbau des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Eisenforschung seit Kriegsende, 28.01.1949; VDEh, Ac 207, Band I, Schreiben von Albert Vögler an die Mitglieder des Kuratoriums des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Eisenforschung, 04.12.1944; MPIE, 11-3-02-2, Niederschrift über die Besprechung betreffs Zustand des Instituts und vordringlicher Sicherungsarbeiten und Verlagerung nach Clausthal, 07.11.1944.
  8. VDEh, Ac 207, Band II, Bericht über den Wiederaufbau des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Eisenforschung seit Kriegsende, 28.01.1949.
  9. Bei den vorherigen Alsos- und BIOS-Befragungen in Clausthal war er wegen seines Aufenthalts in Düsseldorf nicht interviewt worden: „Lueg was not interrogated when investigators of the British Intelligence Objecitves Sub-Committee recently visited the Kaiser Wilhelm Institut as the latter had moved to Clausthal and he had remained behind at Düsseldorf. It was considered, therefore, that it would be most useful to interrogate Dr. Lueg, especially as to developments during the war." BIOS Report 1177.
  10. LAV NRW, NW 1002-C-61779, Entnazifizierungsakte Werner Lueg, Fragebogen des Military Government, 14.04.1948.
  11. MPIE, 9-0-02-1, verschiedene Schriftwechsel 1946.
  12. LAV NRW, NW 1002-C-61779, Politisches Leumundszeugnis, Düsseldorf, 12.04.1948, Schreiben des KWIE an den Entnazifizierungsausschuss der Stadt Düsseldorf, 30.04.1948.
  13. LAV NRW, NW 1002-C-61779, Entnazifizierungsakte Werner Lueg, vgl. Case Summary, Einreihungsbescheid, 19.07.1948: Kat. IV, keine Vermögenssperre. Siehe auch LAV NRW, NW 1002-C-61779, Entnazifizierungsakte Werner Lueg, Fragebogen des Military Government, 14.04.1948. Der Fragebogen enthielt u.a. folgende Angaben: Dr.-Ing. Werner Lueg, wissenschaftlicher Mitarbeiter am KWIE Düsseldorf (geb. 26.07.1905, Düsseldorf), NSDAP-Beitritt zum 01.05.1937, weitere Mitgliedschaften NSKK seit 1934 (Sturmführer 1941), DAF, NSV, NSTB; Angabe: England-Aufenthalt v. 22.7. bis 23.9.1946 (BIOS-Interrogation).
  14. LAV NRW, NW 1002-C-61779, Politisches Leumundszeugnis des KWIE-Betriebsrats, 12.04.1948.
  15. https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Lueg (17.05.2020); Siehe die Angaben an der Grabstätte der Familie